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Mehr als 70 Kinder bekommen im Kinderhaus St. Matthias ein warmes Mittagessen

Frisch und ausgewogen auf den Tisch

Neuwied. Bettina Beichts Arbeitstag beginnt früh. Genau gesagt um 6:30 Uhr. Sie ist die erste im Kinderhaus St. Matthias in Neuwied, einer Einrichtung der „Katholische KiTa gGmbH Koblenz“. So früh ist es dort noch sehr still. Bevor die Kinder und Erzieher kommen, beginnt sie mit ihren Vorbereitungen, kocht Tee und Kakao. Danach erledigt sie die Einkäufe für den Tag. Bettina Beicht ist Hauswirtschaftskraft im Kinderhaus und kocht für mehr als 70 Kinder frisch – jeden Tag ist dies aufs Neue eine Herausforderung. Ist diese Herausforderung mit dem neuen Kita-Gesetz noch zu bewältigen?

 

Nachdem die Kinder mit dem mitgebrachten Frühstück fertig sind und das Geschirr in die Spülmaschine geräumt wurde, fängt Bettina Beicht an, das Mittagessen für die Kinder zuzubereiten. Die Jüngsten essen bereits um 11:45 Uhr. Viel Zeit bleibt da nicht. Wichtig ist ihr und den Kollegen in der Kita, dass frisch, lecker, regional und gesund gekocht wird. Kita-Leiter Thomas Bläsche erzählt: „In der Erntezeit wird das Obst und das Gemüse aus unserem kleinen Garten gemeinsam mit den Kindern geerntet und anschließend für das Mittagessen verwendet.“ Es wird ebenso wie das gekaufte Gemüse vorbereitet. Bettina Beicht schält beispielsweise mehr als 20 Kilo Kartoffeln, wenn sie auf dem Speiseplan stehen.

Jeden Morgen melden die Erzieher für ihre Gruppen, wie viele Kinder mittags essen und welche Besonderheiten aufgrund von Allergien oder Religionen der Kinder bei der Zubereitung der Speisen berücksichtigt werden müssen. Die Kita besuchen Kinder aus mehr als 20 Nationen. Steht ein Fleischgericht auf dem Plan, gibt es unter anderem eine vegetarische Alternative. Denn Schwein oder Rind kommt ebenso auf den Teller wie Geflügel – selbstverständlich von einem Metzger aus der Region. „Dadurch sehen die Kinder, dass andere Menschen etwas Anderes essen als sie selbst, und dass dies kein Problem ist. Die Kinder sollen Vielfalt erleben und auch respektieren“, sagt Thomas Bläsche.

Mit der Zubereitung des Essens ist die Arbeit allerdings nicht getan. „Für die jungen Kinder wird das Essen püriert und man muss sich herantasten, was ihnen schmeckt. Vieles essen sie bei uns in der Kita unter Umständen zum ersten Mal“, erklärt Bettina Beicht.

Wenn die Essensausgabe startet, erhält sie Unterstützung von einer weiteren Hauswirtschafterin. Sie hat eine Teilzeitstelle in der Innenstadt-Kita und unterstützt beim Geschirrspülen und verräumen sowie bei den gesetzlich vorgeschriebenen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten gemäß der Reinigungs- und Desinfektionspläne.

Es wird ein Wochenspeiseplan erstellt, der der Bremer-Checkliste folgt. Die Bremer-Checkliste soll Kindertageseinrichtungen eine Orientierung für die Zubereitung eines ausgewogenen Mittagessens geben. Teil dieses Konzepts ist auch, dass einmal in der Woche ein Wunschgericht der Kinder in der Kita auf die Teller kommt. Die Gruppen wechseln sich ab. Jedes Mittagessen im Kinderhaus besteht aus einem Hauptgericht und Nachtisch. Der Speiseplan wird im Eingangsbereich des Kinderhauses ausgehängt – für die Kinder in Form von Fotos, für Eltern in Textform. Das geht natürlich nur bei Gerichten, die Bettina Beicht schon einmal zuvor in der Kita gekocht hat. Immer wieder lässt sie sich auch neue Gerichte einfallen, damit die Kinder abwechslungsreiches Essen in der Kita bekommen.

Ebenso wichtig wie der Geschmack und die gesunde Ernährung ist dem Kita-Team die Atmosphäre beim gemeinsamen Mittagessen. Die Kinder essen in ihren Gruppen und nicht alle gleichzeitig. Die Erzieher essen mit ihnen zusammen. „Das Essen soll für die Kinder ja auch ein schönes Erlebnis sein,“ erklärt Thomas Bläsche. Am Nachmittag gibt es für alle Kinder noch mal einen gesunden Snack.

Bettina Beicht kümmert sich zusätzlich um viele Verwaltungsaufgaben. Für ihre Einkäufe hat sie eine eigene Küchenkasse, Rückstellproben werden genommen und Checklisten werden abgearbeitet.

Eine Herausforderung für die Hauswirtschaftskräfte ist das tägliche Mittagessen nicht nur aufgrund der Menge, der eng getakteten Abläufe und Verwaltungsaufgaben: Eine neue und größere Küche ist dringend notwendig – besonders im Hinblick auf das neue Kita-Gesetz und dem damit verbundenen Rechtsanspruch auf siebenstündige durchgehende Betreuung inklusive Mittagessen. Dann könnte es sein, dass für alle 100 Kinder, die die Kita besuchen, ein Mittagessen zubereitet werden muss. Notwendig wäre dafür sowohl eine Vergrößerung der Küche als auch neue Wasser- und Stromleitungen sowie neue Küchengeräte. Auch personell müsste sich etwas ändern.